Leadership Essays 2026

Genug geredet. Was Führung wirksam macht, beginnt vor den Worten

Von Cindy Aebischer, Sandjay Deng, Natalia Gianinazzi, Marike Löhr, Klaudija Oroshi und Magdalena Stelzer

Ein Jour fixe am späten Vormittag. Die Diskussion verläuft effizient, die Rollen sind klar, Entscheidungen werden sachlich getroffen. Dann kommt eine Rückfrage zu einem Punkt, den du bereits mehrfach erläutert hast. Inhaltlich ist sie harmlos, doch innerlich entsteht unmittelbar Spannung. Du antwortest schneller als sonst, erklärst mehr als nötig und merkst dabei kaum, dass dein Ton schärfer wird. Die Stimmung im Raum verändert sich leicht. Erst später wird dir klar, dass nicht die Frage entscheidend war, sondern der kurze Moment, in dem du dich angegriffen gefühlt und unmittelbar reagiert hast.

Im Führungsalltag begegnen wir ständig unterschiedlich anspruchsvollen Situationen. Gut vorbereitete Besprechungen, überraschende Konflikte und geplante Termine, die unvorhergesehene Wendungen nehmen. Oder kleine Momente wie dieser Jour fixe. So vielfältig der Kontext auch sein mag, eines scheint für uns allgemeingültig: Eine gute Führungskraft formuliert klar, argumentiert überzeugend und moderiert souverän. Wie die Situation verläuft, ist oft davon abhängig, welche Worte wie ausgetauscht werden.

Und, seien wir ehrlich, wer hätte sich nicht schon einmal gewünscht, diesen einen Moment mehr abgewartet zu haben, um so zu reagieren, wie man es auch im Nachhinein noch für richtig gehalten hätte?

Dieses Essay geht diesem einen Moment auf den Grund. Es liefert einen einfachen Ansatz, wie das bewusste Wahrnehmen einen spontanen Impuls positiv beeinflussen kann. Damit teilen wir unser persönliches Erfolgsrezept für deinen individuellen Weg: Von der Selbstwahrnehmung, über die Selbstregulation hin zur positiven Wirkung in anspruchsvollen Situationen.

Selbstwahrnehmung als Schlüssel in herausfordernden Situationen

Wir sind sechs Führungspersonen aus unterschiedlichen Branchen, beruflichen Hintergründen und verschiedenen Lebenssituationen. Was uns verbindet, ist der Wunsch, uns persönlich weiterzuentwickeln. Wir wollen den nonverbalen Aspekten unserer Kommunikation mehr Aufmerksamkeit schenken. Wir möchten uns selbst besser kennenlernen, eigene Muster erkennen und daran arbeiten, diese systematisch aufzubrechen. Unsere Erfahrung zeigt, dass genau die Momente, in denen Führung wirklich zählt, jene sind, in denen Gesprochenes allein nicht ausreichend wirkt. Ein eskalierendes Gespräch, eine unerwartete Konfrontation, ein Moment grosser Unsicherheit. In solchen Situationen übernimmt etwas anderes das Steuer, bevor ein bewusster Satz gebildet ist. Und dort wollen wir ansetzen.

Wir fragen uns, wo die Wirkung unserer Worte anfängt und wo sie aufhört. Was passiert in uns, bevor wir sprechen? Und was wäre möglich, wenn wir dort anfangen würden zu arbeiten? Unsere Hypothese auf diesem gemeinsamen Weg lautet:

Entsteht nachhaltige Führungswirkung nicht erst durch Worte, sondern durch das Zusammenspiel zwischen innerer Haltung, körperlicher Präsenz und tatsächlichem Verhalten?

Kopf, Herz, Hand – ein Modell für das Zusammenspiel

Der Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi prägte im 18. Jahrhundert das Bild des ganzheitlichen Menschen. Einen, der mit dem Kopf denkt, mit dem Herzen fühlt und mit den Händen handelt. Sein Kopf-Herz-Hand-Modell beschreibt einen ganzheitlichen Zugang zur menschlichen Entwicklung, indem er kognitive, emotionale und handlungsbezogene Dimensionen als gleichwertig und untrennbar miteinander verbunden versteht. Der Kopf steht dabei für Prozesse des Denkens, der Analyse und Interpretation, das Herz für emotionale Reaktionen, Bedürfnisse und Werte, und die Hand für konkretes Verhalten sowie Handlungsimpulse. Was damals als Bildungsphilosophie gedacht war, lässt sich auch im Führungsalltag anwenden. Im Sinne moderner Ansätze in der Persönlichkeitsentwicklung kann Wirkung insbesondere dann nachhaltig werden, wenn diese Ebenen in einem gewissen Mass im Einklang stehen.

Doch was passiert, wenn dieser Einklang unter Druck zusammenbricht? Eine Antwort liefert die Neurobiologie. Stephen Porges beschreibt mit der Polyvagal-Theorie, wie das autonome Nervensystem soziale Situationen kontinuierlich bewertet, ein unbewusster Prozess, den er Neurozeption nennt. Das Nervensystem reagiert, bevor das Bewusstsein eingreifen kann: Es versetzt uns in Zustände von Sicherheit, Mobilisierung oder Erstarrung. Erst danach hat der Geist die Möglichkeit, diese Reaktion zu modulieren. Führung findet also nicht nur im Kopf statt, sondern im gesamten Körper und oft schneller, als wir denken.

Genau hier setzt Selbstregulation an. Sie bezeichnet die Fähigkeit, den eigenen inneren Zustand wahrzunehmen und bewusst zu beeinflussen, bevor er das Verhalten übernimmt. Eine zentrale Voraussetzung dafür ist Interozeption, die Wahrnehmung körperinterner Signale wie Herzschlag, Muskelspannung oder Veränderungen der Atmung. Wer diese Signale früh erkennt, gewinnt den entscheidenden Moment zwischen Impuls und Reaktion. Auf dieser Grundlage lassen sich gezielte Praktiken einsetzen: von kurzfristigen Interventionen wie Box Breathing, Emotion Labeling oder Reframing über meditative Verfahren bis hin zu tiefenwirksamen Methoden wie MBSR und autogenem Training. Sie alle trainieren dasselbe: die bewusste Rückkehr zu sich selbst, bevor das erste Wort fällt. Damit befassen wir uns zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal genauer.

Zuerst fokussieren wir auf eine einfache Systematik, um die Ebenen Kopf-Herz-Hand auf uns als Führungskräfte zu reflektieren.

  • Kopf: Welche Gedanken habe ich? Sind sie reflektiert oder reflexhaft? Was ist Fakt, was Interpretation?
  • Herz: Welche Emotionen nehme ich wahr? Bin ich gelassen oder emotional geladen? Welche Werte sind betroffen? Wie verändert sich mein Herzschlag?
  • Hand: Wie verhalte ich mich? Bin ich souverän oder ausser Kontrolle? Wie ist meine Gestik, Mimik, Stimmlage?

Diese Fragestellungen bilden den Kern unseres Wahrnehmungsjournals. Die Beurteilung jeder Ebene auf einem Skalenwert von 1 bis 10 ergibt ein Bild einer erlebten Situation. Es erlaubt uns zu analysieren, wie ausgewogen wir die Ebenen jeweils erleben. Kurz: Welches Muster zeichnet unser persönliches Zusammenspiel zwischen Kopf, Herz und Hand?

Vom Muster zum eigenen Trainingsfokus

Mithilfe des Wahrnehmungsjournals analysieren wir herausfordernde Momente aus dem beruflichen und privaten Alltag. Es resultieren 30 Bilder von Situationen, die sehr unterschiedlich intensiv erlebt werden. Aus Gründen der Privatsphäre verzichten wir darauf, die Situationen mit Personen zu verbinden. Wir fokussieren stattdessen auf unsere persönlichen Muster. Die Abbildung der empfundenen Intensität der drei Ebenen ergibt ein persönliches Bild:

«Bin ich überwiegend im Kopf? Reagiere ich impulsiv oder tendenziell zu emotional?»

Die Summe aller Situationen, die jede Person individuell reflektiert, ergibt ein persönliches Muster. Die Muster unserer Gruppe lassen uns vermuten, dass zwei von uns ausgeglichener auf Situationen reagiert haben und vier Personen eher emotional. Eine davon zum Beispiel immer dann, wenn eine Verletzung des eigenen Gerechtigkeitssinns wahrgenommen wird und ihr Wertesystem bedroht ist. Auf der Kopfebene scheint es dann eine Tendenz zu geben, schwierige Situationen auf sich zu beziehen. In Momenten hoher emotionaler Aktivierung fällt ihr die Trennung zwischen Fakten und Interpretation offenbar schwerer. Das möglicherweise ausgeprägteste Muster zeigt sich auf der Handebene.

«In fast allen Situationen erkenne ich ein Verhalten in zwei Phasen. Erst eine Phase des Abwartens und Beobachtens, vielleicht sogar eine Art Aufschieben. Gefolgt von einer direkten Konfrontation. Dieses Muster scheint bemerkenswert stabil zu sein. Erst, wenn es zu Extremsituationen kommt, in denen meine emotionale Ladung so hoch ist, dass der Filter zwischen Impuls und Ausdruck wegzufallen scheint, trifft es nicht mehr zu»

Auch eine weitere Person erkennt ein Muster auf Handebene: Der Körper handelt, bevor der Geist die Verarbeitung abgeschlossen hat. Das ist kein Problem der Willenskraft, sondern ein neurologischer Prozess.

Eine Person stellt fest, dass sie immer dann in eine intensive Reaktion fällt, wenn sie das Gefühl hat, nicht gehört oder wahrgenommen zu werden. Auf der Kopfebene zeigt sich eine Tendenz, rasch Interpretationen und voreilige Schlüsse zu ziehen. In manchen Situationen führt das zu schnellen Vorurteilen, in anderen entsteht das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Auf der Herzebene entsteht ein Wechselspiel von intensiven Emotionen: Ärger, Wut und das Empfinden von Missachtung. Das Herz reagiert schnell und heftig, noch bevor der Kopf die Lage vollständig erfasst hat. Gleichzeitig besteht der Wunsch, die Kontrolle zu behalten und die Eskalation zu vermeiden. Dieser innere Widerspruch erzeugt zunehmend Spannung im Körper. Auf der Handebene manifestiert sich dieser innerliche Zustand durch Pulsanstieg, Anspannung, Kurzatmigkeit und lauter Stimme. Der Körper wechselt dabei zwischen Aktivierung und Blockade.

Eine andere bemerkt, dass sie in den analysierten Situationen eher reguliert ist. Das sichtbare Verhalten ist ruhig, doch die zittrige Stimmlage verrät, dass sie die Komfortzone verlassen hat. Erst, wenn sich mehrere Situationen aneinanderreihen, ändert dieses generelle Verhalten, die Regulationsmechanismen versagen und der Impuls nimmt überhand.

«Meine Gedanken sind schnell, ich analysiere sofort. Aber mein Körper fühlt Stress: erhöhten Puls, gedämpftes Hören, veränderte Stimmlage. Und da ist dieser Reflex, eine regulierende Bewegung mit den Fingern auszuführen.»

Ähnlich beschreibt es eine zweite Person. Sie erlebte in Stresssituationen zunächst eine starke körperliche und emotionale Aktivierung mit Herzrasen, innerer Unruhe, Muskelspannung und einem Gefühl von Druck sowie einem eingeengten Denken mit schnellen, impulsiven Reaktionsimpulsen.

Diese intensive Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel der Ebenen ist ein wichtiger Bestandteil unseres Erfolgsrezepts. Wir erkennen, dass wir uns dem Entschlüsseln dieses einen Moments nähern: Von den Kopf-Herz-Hand-Empfindungen ist es fast immer das Herz, das am stärksten ausschlägt. Uns zeigt das, dass wir alle unsere Reaktion nach aussen besser kontrollieren konnten, als unser Herz es im Inneren zum Ausdruck bringen wollte.

Von den Kopf-Herz-Hand-Empfindungen ist es fast immer das Herz, das am stärksten ausschlägt.

Wie nun, so fragen wir uns, kann es gelingen, auch bei hoher emotionaler Aktivierung den Zugang zum aktiv gesteuerten Verhalten zu behalten und die Phase des Abwartens nicht nur als Reaktion auf Unsicherheit zu erleben? Kann man sie bewusst als Ressource nutzen, anstatt sie nur als Verzögerung wahrzunehmen?

Wir erkennen: Die Wahrnehmung unseres «persönlichen Ablaufs» auf den drei Ebenen hilft uns bereits, diesen einen Moment zu gewinnen. Der Moment, der es uns erlaubt, unser Verhalten bewusst zu steuern und reflektiert zu handeln. Wir ergänzen zur eingangs definierten Hypothese eine zweite:

Ist Wahrnehmung trainierbar und damit auch das Gefühl, einer Situation nicht einfach ausgeliefert zu sein?

Wir merken, dass dieser Trainingsprozess so individuell sein wird wie die erlebten Situationen selber.

Sechs Wege zu einer besseren inneren Wahrnehmung


Natalia, 48, Art Director und Textildesignerin, 2 Kinder, seit über 20 Jahren in einer Beziehung. Ihre Stärken liegen in der Ideenfindung und im vernetzten Denken. Sie arbeitet gerne strukturiert und im Team. Neugierig, offen, kreativ, mit viel Energie und Motivation. Gleichzeitig ist sie emotional und perfektionistisch und setzt sich dabei selbst manchmal mehr unter Druck als nötig.

«Anfangs setzte ich auf mentale Mikrotechniken. Doch bald wird mir klar: Wirksamer ist nicht das Reagieren, sondern das Wahrnehmen, den Impuls erkennen, bevor er handelt. So entwickle ich für mich ein Wahrnehmungstraining mit körperlichem Ansatz in drei Schritten: zuerst das Wahrnehmen, dann das präzise Lokalisieren im Körper und schliesslich das Erkennen des Signals, bevor es zur Reaktion wird.

In der ersten Woche werden mir körperliche Signale bewusst: ein Kribbeln in den Händen, ein Druck, eine veränderte Atmung. In der zweiten spüre ich subtilere Empfindungen: meinen Herzschlag, ein Gefühl, das sich von einem Körperteil Richtung Kopf verschiebt und sich dort an einer genaueren Stelle sammelt. Es sind keine neuen Signale, sie waren immer schon da. Verändert hat sich meine Wahrnehmungsschwelle: Sie ist gesunken. Ich merke, dass von selbst eine Pause entsteht, wenn ich den Impuls rechtzeitig erkenne. Das gelingt mir aber nicht immer: Es hängt davon ab, wie intensiv die Situation ist und ob sie erwartet oder unerwartet kommt. Es zu versuchen, hat trotzdem einen Wert. Jedes Mal, wenn ich das Signal erkenne, auch ohne die Reaktion ganz aufzuhalten, schärft sich meine Wahrnehmung.»

«Den Impuls zu erkennen, ist bereits die Pause.»

Klaudija, 41, begleitet Umbauprojekte von der ersten Entwurfsskizze bis zur Übergabe. Ihre Stärken liegen im Brückenbauen zwischen den Bedürfnissen der Kundschaft, den Anforderungen der Planung und der Realität der Baustelle. Sie sucht den direkten Kontakt, hört genau zu und vertraut auf ihren reichen Erfahrungsschatz. Gleichzeitig bringt genau diese Vielfalt an Rollen und Erwartungen sie an ihre Grenzen. Der Druck, in jeder Situation die richtige Haltung zu finden, lässt sich nicht immer souverän meistern.

«Ich habe meine Perspektive auf meine Morgenmeditation verändert. Was sie mir bringt, ist keine Entspannung im eigentlichen Sinne. Es ist Regulation. Und diesen Unterschied nehme ich im Alltag wahr.

Mein Meditationstagebuch, das ich über mehrere Wochen geführt habe, macht das sichtbar. An den Tagen mit Meditation spüre ich eine innere Stabilität, die sich direkt auf meine Führungssituationen überträgt. Reaktionen erfolgen bedachter. Ich höre zu, bevor ich antworte, und halte bei Unerwarteten kurz inne. An Tagen ohne diese Praxis kehren alte Muster zurück. Nicht dramatisch, aber spürbar: schnellere Reaktionen, weniger Präsenz und Klarheit im Wahrnehmen des Gegenübers.

Verschiedene Atemtechniken wirken dabei unterschiedlich. Die Feueratmung hilft mir, vor Präsentationen wacher und fokussierter zu sein. Die 4-8-Atemtechnik, bei der vier Sekunden eingeatmet und acht Sekunden ausgeatmet wird, verlangsamt meinen Puls bereits nach wenigen Wiederholungen spürbar.

Was mir dieser Weg gezeigt hat, ist eine Antwort auf eine sehr persönliche Frage: Was brauche ich, um täglich wirklich mit mir selbst in Kontakt zu sein? Die Antwort ist einfach und erfordert trotzdem jeden Morgen eine bewusste Entscheidung: diese ersten Minuten des Tages mir selbst zu schenken.»

«Die Morgenmeditation ist für mich zu einem neuen Anker geworden. Sie hilft mir, körperlich wach zu werden, mental Klarheit zu schaffen und emotional ausgeglichener in den Tag zu starten.»

Marike, 39, arbeitet als zentrale Schnittstelle zwischen Kund:innen und Kreativen und als Teamlead in der Filmbranche. Ihre Stärke liegt im Koordinieren, Überblick behalten und im Schaffen von Strukturen. Gleichzeitig kann Stress und hoher Workload sie schnell an ihre Grenzen bringen. Führung versteht sie bis anhin weniger als Methode, sondern als etwas Intuitives, das nah an den Menschen bleibt.

«Auch ich habe die Form der täglichen Meditation während der Testphase gewählt und jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen zehn Minuten im Sitzen praktiziert. Orientiert habe ich mich an einer Form der mir aus dem Yoga bekannten Atemmeditation, dem sogenannten Dirga Pranayama. Dabei richte ich meine Aufmerksamkeit bewusst auf die Bewegung und Ausdehnung des Atems durch den Körper: beginnend im Bauch über den Zwerchfell- und Brustraum bis in die Lungenspitzen und anschliessend wieder zurück.

Den Tag auf diese Weise zu beginnen, empfand ich grundsätzlich als wohltuend. Einen merklichen Unterschied im Alltag konnte ich innerhalb der kurzen Testphase jedoch noch nicht feststellen. Vorsichtig interpretieren könnte man, dass sich meine allgemeine Wut leicht reduziert hat oder die emotionale Aktivierung etwas langsamer einsetzt.»

«Zehn Minuten Aufmerksamkeit verändern nicht zwingend meinen Tag, aber möglicherweise die Art, wie ich ihm begegne.»

Sandjay, 37, lebt in Zürich und arbeitet als Art Director und Musiker an der Schnittstelle von Gestaltung, Musik und Unternehmertum. Gemeinsam mit einem Freund baut er derzeit ein eigenes Designstudio auf und arbeitet zusätzlich Teilzeit für eine Werbeagentur in St. Gallen. Der direkte Austausch mit Menschen und die gemeinsame Entwicklung kreativer Ideen stehen für ihn im Mittelpunkt. Die Balance zwischen Selbständigkeit, Agenturarbeit und Musik fordert Flexibilität und prägt zugleich seine Offenheit und Neugier.

«Ich probierte verschiedene Methoden aus und sammelte dabei wertvolle Erfahrungen. In herausfordernden Momenten halfen mir Instant Relief-Techniken wie aktives Zuhören, Reframing, Emotion Labeling oder Box Breathing. Im Alltag unterstützten mich Meditation, Achtsamkeit und Sport dabei, ruhiger und bewusster mit Stress umzugehen. Anfangs suchte ich vor allem nach schnellen Lösungen. Doch mir wurde klar, dass echte Veränderung tägliche Selbstfürsorge, Selbstbeobachtung und Geduld braucht.

Mein Ziel war es, weniger impulsiv zu reagieren und stattdessen meine Resilienz sowie innere Ruhe zu stärken. Heute gelingt es mir immer häufiger, meine Emotionen bewusst zu regulieren und auch positiv auf andere einzuwirken. Besonders wichtig war für mich die Erkenntnis, dass ich nur dann wirklich für andere da sein kann, wenn ich auf meine eigenen Ressourcen achte.»

«Man kann nichts geben, wenn die eigenen Batterien leer sind.»

«Sport und Meditation helfen mir dabei, geerdet und resilient zu bleiben. Auch wenn Veränderung Zeit braucht und nicht immer linear verläuft, spüre ich deutlich, dass viele kleine Schritte langfristig einen Unterschied machen.»

Cindy, 46, arbeitet als Kommunikationsdesignerin im Bereich Publishing der Bundesverwaltung. Sie berät, plant und koordiniert an der Schnittstelle zwischen wissenschaftlichen Inhalten und der Darstellung komplexer Zusammenhänge. Ihr schnelles Auffassungsvermögen und vorausschauendes Denken sind die Voraussetzung für das Gelingen anspruchsvoller Projekte. Führung hat für sie viel mit einfühlsamem Zuhören bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Vorgaben und Strukturen zu tun.

«Um mich mit meiner inneren Wahrnehmung auseinanderzusetzen, übte mich in der Achtsamkeitsmeditation und im suggestiven Entspannungsverfahren. Je länger ich die Methoden der Mental Based Stress Reduction (MBSR) und des Autogenen Trainings anwendete, desto schneller und achtsamer konnte ich innehalten und in Stressmomenten die inneren Signale wahrnehmen. In nur kurzer Zeit verspürte ich das Bedürfnis, Meditation als eine Routine in meinen Alltag einzubauen. Denn ich bin überzeugt, dass die Wirkung von Methoden zur Stressreduktion nicht zuletzt nur dann wirksam sind, wenn sie regelmässig angewendet werden.»

«Je öfter ich die Achtsamkeitsmeditation übte, desto schneller und deutlicher wurde mir meine innere Haltung in Stresssituationen bewusst. Alleine diese Wahrnehmung ist ein Schritt zur besseren Regulierung. Allgemein nahm ich mich in der Zeit dieses Experiments als ausgeglichener und entspannter wahr.»

Magdalena, 34, verheiratet und 2 kleine Kinder. Als Führungsperson in der Stadtverwaltung verantwortet sie Themen zur digitalen Transformation im Bauwesen. Sie findet sich schnell zurecht, wenn Themenlagen unübersichtlich werden und schafft Klarheit durch Struktur. Grundsätzlich bevorzugt sie ein harmonisches Setting gegenüber der Konfrontation, ist optimistisch und setzt sich vor allem dann durch, wenn ihr Gerechtigkeitssinn es für notwendig hält.

«Vor längerer Zeit lernte ich eine Methode zur sofortigen Aktivierung von einem tiefenentspannten Zustand. Gibt es einen Weg, sie auch in meinem Alltag anzuwenden? Ich suchte mir als Startpunkt eine neue Morgenroutine. Etwas Kleines, das ich auch nach einer kurzen Nacht nicht zugunsten weiterer Minuten Schlaf streiche. Meine Mikro-Meditation am offenen Fenster umfasst einen kurzen Moment des Innehaltens, des bewussten Wahrnehmens aller Sinneseindrücke: das Zwitschern der Vögel, die Autos welche ich an Wochentagen lauter höre als am Wochenende, der Gerüche und der Temperatur, die je nach Wetterlage stark variieren. Und wenn einer meiner Söhne mich genau in diesem Moment braucht, mikro-meditieren wir gemeinsam.

In schwierigen Situationen übe ich, bewusst eine solche Pause zu machen. Ich erinnere mich an die Methode zur Entspannung, zähle innerlich von 10 rückwärts, bei 8 stelle ich fest, wie sich mein Puls reduziert. Und mit dem Trainieren dieser kleinen Pause passiert auch in meinem allgemeinen Verhalten etwas.»

«Ich merke, wie sich kleine Muster beginnen zu verändern. Ich möchte nicht zuerst die richtigen Worte finden, sondern die Stille aushalten. Nicht sofort reagieren, sondern dem Gegenüber Raum geben.»

Das Erfolgsrezept: Wahrnehmung – individuell und beständig

Was uns diese Wochen gezeigt haben: Der Weg zur besseren Wahrnehmung seiner eigenen Muster und Möglichkeiten, diese zu beeinflussen, ist so individuell wie wir selbst. Eine von uns beginnt den Tag mit einer Atemübung, eine andere zählt innerlich runter, bevor sie reagiert, eine dritte hört somatisch in sich hinein, inmitten von realen Situationen. Wieder eine andere schwört auf Autogenes Training, Meditation oder auf einen ganz eigenen Mix. Die Technik ist austauschbar, gleich bleibt die Richtungsabfolge der Aufmerksamkeit: bewusst nach innen kehren, bevor wir uns äussern.

Die Technik ist austauschbar, gleich bleibt die Richtungsabfolge der Aufmerksamkeit: bewusst nach innen kehren, bevor wir uns äussern.

Gleichzeitig sind wir vorsichtig mit der Aussage, dass sich in wenigen Wochen fundamentales Verhalten verändert. Was wir beobachtet haben, sind Verschiebungen. Kleine, aber spürbare Momente, in denen eine Reaktion halbwegs bewusst stattgefunden hat. In denen eine Pause entstanden ist, die es vorher nicht gab. In denen ein Gespräch anders verlaufen ist als üblich und man danach nicht genau sagen konnte, warum, aber das Gefühl hatte, es richtig gemacht zu haben.

Eines haben wir alle geteilt: das Bewusstsein dafür, dass Führung nicht erst dann wirkt, wenn die richtigen Worte gesagt werden. Sie beginnt in dem Moment, in dem wir entscheiden, ob wir dem Impuls folgen oder innehalten.

Drei konkrete Erkenntnisse bleiben:

  1. Wahrnehmung ist der unverzichtbare Ausgangspunkt. Wer den eigenen Körper nicht hört, ist in Drucksituationen reaktiv statt handlungsfähig. Die Technik kommt erst danach.
  2. Der Weg ist persönlich. Welche Technik funktioniert, ist individuell. Worauf es ankommt, ist nicht die richtige Methode zu finden, sondern überhaupt anzufangen, den Körper als Informationsquelle ernst zu nehmen.
  3. Veränderung braucht Beständigkeit. Sporadisch angewendet erzeugt keine Technik eine nachhaltige Wirkung. Eingebaut in die Alltagshygiene wird sie zur Grundlage, auf der präsente Führung stattfindet.

Bei der Recherche sind wir auf eine Studie zum Search-Inside-Yourself-Programm gestossen, das bei Google entwickelt wurde und viele Parallelen zu unserem Ansatz zeigt: strukturierte Achtsamkeitspraxis, die in den Arbeitsalltag eingebettet wird, mit dem Ziel, emotionale Selbstregulation und Führungspräsenz nachhaltig zu stärken. Wir fühlten uns bestätigt in unseren konsolidierten Erkenntnissen.

Und jetzt du. Fünf Fragen für deine eigene Führungspräsenz

Viele arbeiten an ihren Worten. Wir haben gelernt: Die Wirkung beginnt schon davor, im Körper, in dem Moment, bevor das erste Wort fällt. Genau dort setzen diese fünf Fragen an. Kein Test, keine Bewertung. Eine Einladung, genauer hinzuhören. Zu fühlen.

  1. Was spüre ich im Körper, bevor ich spreche? Nicht: Wie hätte ich besser reagiert? Sondern: Was war körperlich da, der schnellere Atem, die Spannung im Kiefer, bevor das erste Wort fiel?
  2. Folge ich dem Impuls – oder halte ich inne? Führung beginnt nicht bei den richtigen Worten, sondern in dem Moment, in dem wir entscheiden: dem Impuls folgen oder die Pause zulassen.
  3. Wo widersprechen sich Kopf, Herz und Hand? Manchmal denkt der Kopf das eine, drängt das Herz zum anderen, tut die Hand ein Drittes. Genau diese Lücke macht das Wahrnehmungsjournal sichtbar.
  4. Welche Praxis übe ich – auch heute? Keine Technik wirkt sporadisch. Entscheidend ist nicht, die perfekte Methode zu finden, sondern die eigene.
  5. Was bringt mich in Präsenz? Für die einen ist es die Morgenmeditation, für andere ein bewusstes Ausatmen vor dem schwierigen Gespräch. Hauptsache, ich kenne meinen Weg dahin.

Vielleicht beginnt Veränderung tatsächlich nicht mit einer neuen Strategie. Sondern mit einer kurzen Pause – noch bevor das erste Wort fällt.

Das Embodied Journal for Modern Leaders: die App

Aus unseren Erkenntnissen heraus bauten wir ein digitales Wahrnehmungstagebuch mit Insights: das Embodied Journal for Modern Leaders. Eine App, die auch dich täglich einlädt, innezuhalten, dich selbst zu befragen und das zu dokumentieren, was in dir vorgeht, bevor du wieder in den Lärm des Alltags eintauchst. Keine aufwendige Praxis, kein grosses Zeitinvestment. Nur du, ein paar Minuten und die Bereitschaft, dich selbst etwas genauer anzuschauen. Erfahre die positive Wirkung der Meditation, die wir selbst angewendet haben. Die Übungen stehen dir in der App in unterschiedlicher Dauer zur Verfügung. Wähle aus, was für dich stimmt.

Wenn auch du spüren willst, was in uns diese Veränderung ausgelöst hat, dann rufe die App ab und beginne deine eigene Embodied Journey – einen Schritt, einen Moment, einen Atemzug nach dem anderen:

Embodied Journal for Modern Leaders


Verwendete Literatur

Caporale-Berkowitz, N. A., Boyer, B. P., Lyddy, C. J., Good, D. J., Rochlen, A. B., & Parent, M. C. (2021). Search inside yourself: Investigating the effects of a widely adopted mindfulness-at-work development program. International Journal of Workplace Health Management, 14(6), 593–604. https://doi.org/10.1108/IJWHM-0ü8-2020-0139

Goleman, D. (1995). Emotional Intelligence: Why It Can Matter More Than IQ for character, health and lifelong achievement. Bantam Books.

Porges, S. W. (2011). The Polyvagal Theory: Neurophysiological Foundations of Emotions, Attachment, Communication, and Self-regulation. W. W. Norton & Company.

Siegel, D. (2010). Mindsight: The New Science of Personal Transformation. Bantam Books.


KI-Nutzung

Für die Erarbeitung dieses Essays haben wir KI-Tools eingesetzt, darunter Claude (Anthropic, claude.ai) und ChatGPT (OpenAI, openai.com). Diese wurden für die Strukturierung von Ideen, das Brainstorming sowie die sprachliche Überarbeitung einzelner Textpassagen genutzt.

Die Illustrationen wurden mithilfe des KI-basierten Bildgenerierungstools Midjourney (www.midjourney.com) erstellt.

Die App wurde in Stitch gepromptet und gestaltet (stitch.withgoogle.com) und in Google AI Studio App (aistudio.google.com) gebaut.

Alle KI-generierten Inhalte wurden kritisch geprüft und inhaltlich verantwortet. Keine Texte oder Bilder wurden wortwörtlich übernommen.